Liebe Freundinnen und Freunde des Figurentheaters,
sehr geehrtes Publikum,
am 12. März 2026 starten wir die 34. Ausgabe des Internationalen Welser Figurentheaterfestivals. Wir haben uns mit der Programmgestaltung wieder mächtig für Sie ins Zeug gelegt und ein hochkarätiges Programm zusammengestellt. Wir möchten Ihnen damit Freude bereiten, Sie zum Lachen, aber auch zum Nachdenken bringen. Oder wie die Protagonistinnen unseres heurigen Abschiedsstückes sagen: Wir möchten Ihre Herzen erwärmen …
Zugegeben, die teuflischen Damen mit Brandstifterambitionen in „Gottlieb! Es brennt!“ sprechen diese Einladung nicht ohne Sarkasmus aus. Lautet doch der nächste Satz: Wir möchten Sie zum Lodern bringen! Und das meinen sie nicht nur metaphorisch, und sie meinen nicht nur die Herzen der Zuschauerinnen, sondern den ganzen Saal, das Theater, die Welt …
Und wenn man sich dann so umschaut auf der Bühne der Welt, denkt man, sie haben schon zugeschlagen, die Brandstifter und Brandstifterinnen … wobei hier kann man das Gendern eher hintanstellen – gibt es doch herzlich wenig Brandstifterinnen bzw. brandstiftende Hetzerinnen, Fundamentalistinnen, Diktatorinnen auf dieser Welt. Hat das Wort Diktator überhaupt eine weibliche Form? Oder ist die ohnehin überflüssig? Belehren Sie mich gerne eines Besseren!
Der langen Rede kurzer Sinn: Beim Rundumblick über den Erdball kommt einem immer öfter das Fürchten, und man fragt sich: Ist die Menschheit noch zu retten, oder steuern wir sehenden Auges auf unseren Untergang zu?
Ich sehe die Kunst, im Besonderen das Theater, als eine Art Labor, in dem man sich und unser aller Leben, Werken und Wirken in der Simulation beobachten kann. Logisch wäre dann vielleicht, da oder dort einen anderen Weg einzuschlagen, eine andere Entscheidung zu treffen, weil man ja in dieser Simulation gesehen hat, wohin ein falscher Weg führen kann. Aber werden wir mit unserer künstlerischen Arbeit überhaupt noch gesehen und gehört? Will man uns sehen und hören? Sind wir vielleicht zu leise?
Andererseits scheint es doch auch, dass wir nicht ganz ungefährlich sind, wenn Regierende mit Diktatorambitionen sich bemüßigt fühlen, aktiv in den Kunstbetrieb einzugreifen und versuchen, unliebsames Gesagtes, Geschriebenes, Gesungenes, Gezeigtes … zu unterdrücken. So betrachtet wird mir dann oft bewusst, wie privilegiert wir mit unserer Arbeit in einem Staat mit (noch) echter Demokratie sind. Das macht dann Mut, den eigenen Weg unbeirrt weiterzugehen und die Bühnen, und seien sie noch so klein, mit Schönheit und Hässlichkeit, Stillem und Lautem, Lachen und Weinen, Freude und Schmerz, Schmee und Tiefgang …, kurzum mit allem zu füllen, was das Leben lebenswert macht.
An dieser Stelle möchte ich mich bei meinem Team und im Besonderen bei der Stadt Wels bedanken, die es alljährlich möglich machen, dass wir dieses „Labor des Lebens“ auf den Bühnen der Stadt verwirklichen können.
Liebes Publikum, begleiten Sie uns auf diesem Weg, und, kleiner Spoiler, halten Sie durch bis zum Schluss, dann erfahren Sie live, wie die Geschichte der beiden teuflischen Damen ausgeht. So viel sei schon mal verraten: Ich bin eine davon und freue mich auf Sie!
Für das Festivalteam
Gerti Tröbinger





